Writing Friday

[Writing Friday] #12. Die Alte und der junge Mann

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Schreibthemen Oktober:

 

  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Er sah nach hinten und ihm lief ein kalter Schauer über den Rücken, denn…“ beginnt.
  • Casper der Geist kriegt unerwarteten Besuch, berichte davon.
  • Erzähle ein Märchen über einen Kürbis.
  • Erzähle aus der Sicht eines Vampirs an Halloween.
  • Du bist ein Baum, der gerade all seine Blätter verliert, wie fühlst du dich? 

 

Die Geschichte:

Die Alte und der junge Mann

 

Es war einmal in einem dunklen Wald. Da lebte eine alte, gebrächliche Frau, in einem kleinen Häuschen. Schon seit Jahren lebte sie einsam, ohne Mann, ohne Kinder und ohne Freunde. Doch sie wollte da nicht fort, denn sie liebte auch, das rascheln der Bäume, das scheue Reh, welches jeden Morgen auf dem Hügel stand und sie neugierig beobachtete. Auch die anderen Waldtiere mochte sie, deshalb dachte sie nie daran weg zu ziehen.  Aber an manchen Tagen fühlte sie sich einsam, dann nahm sie ein altes Buch und vergas rundherum alles.

An jenen Morgen, stand die alte Frau, wie jeden Tag auf, wusch sich und zog ihre Sachen an. Sie merkte, dass es ein warmer, sonniger tag werden würde und beschloss, schnell ihre Arbeiten zu erledigen, damit sie sich draußen vor dem Haus setzen konnte, um die Tiere zu beobachten.

Gerade als die Sonne hoch über den Bäumen stand und sie mit einem Buch aus der Tür trat, hörte sie Geräusche. Die alte Frau sah nach allen Seiten, aber sie konnte nichts erkennen. Alles schien unverändert. Das Alter spielte ihr bestimmt einen Streich, dachte sie. Gerade als sie sich setzte, hörte sie es schon wieder und nahm aus den Augenwinkel eine Bewegung war. Ihre Augen waren nicht mehr so gut und deshalb dauerte es eine Weile, bis sie erkannte, dass ein junger Mann zaghaft auf sie zutrat.

„Guten Tag Frau, ich bin ein einsamer Mann der durch die Lande streift. Seit drei Tagen suche ich vergebens nach etwas Essbarem. Wären Sie vielleicht so gütig und würden ein Stück Brot mit mir teilen ? Ich bin so hungrig und kann kaum noch laufen.“

Die alte Frau sah seinen flehenden Blick und nickte ihm zu. Ob sie ihm trauen konnte, wusste sie nicht, denn in ihren Büchern gab es Männer die stahlen und Bauern ausraubten. Doch die alte Frau hatte ein gutes Herz und sprach:“Setzen Sie sich hin junger Mann. Ruhen Sie sich aus und ich hole Ihnen etwas von meiner Pilzsuppe. Danach werden Sie sich besser fühlen.“

Langsam stand sie auf und ging ins Haus hinein. Durch das Fenster sah sie den jungen Mann wie er auf der Bank saß und das Gesicht in die Hände vergrub. Weinte er etwa ?

Als sie mit einer dampfenden Suppenschüssel nach draußen trat. lächelte ihr der junge Mann erschöpft entgegen. Sie gab ihn die Suppe und beide schwiegen. Kurz darauf war nur das schlürfen zu hören, und in windeseile hatte der junge Mann die Schüssel leer gegessen.

„Vielen Dank, liebe Frau. Die Suppe war sehr lecker.“ Die alte Frau betrachtete den jungen Mann von der Seite, und ihre Neugier brach heraus. „Erzählen Sie junger Mann, wo kommen Sie her und wohin des Weges ?“

Er erzählte ihr, wie er aus dem Dorf verjagt wurde, nachdem seine Mutter verstab und die neue Frau seines Vaters, das ganze Dorf gegen ihn hetzte. Sie erzählte schreckliche Lügen über ihn, damit er sich nicht zwischen ihr und seinem Vater stellen konnte. So kam es, dass der junge Mann davon lief, immer und immer weiter. Er möchte ins Königshaus um seine Dienste anzubieten und er hoffe auf einen Schlafplatz und etwas zu essen.

Noch lange saßen sie da und vergaßen die Zeit…

Der Abend brach an, die Dunkelheit umhüllte sie und der junge Mann, machte sich daran aufzubrechen. Die alte Frau wollte den jungen Mann nicht im dunkeln durch den Wald streifen lassen, so bot sie ihm einen Platz zum schlafen an.

Als sie vor dem Ofen eine Decke ausbreitete und ein Kissen drauflegte , fiel der junge Mann erschöpft auf seinem Schlafplatz und kurz darauf hörte die alte Frau nur noch ein leises schnarchen.

Noch lange lag sie wach. Sie mochte die Gegenwart des jungen Mannes und fühlte sich nicht mehr so einsam. Sie wollte nicht, dass er am nächsten Tag weiter zog, doch in den kleinem Haus war kein Platz für zwei Personen. Sie wusste, sie muss ihn gehen lassen und langsam schlief auch sie ein.

Als die alte Frau am nächsten Morgen erwachte, sah sie, dass der Schlafplatz leer war. Sie wurde sehr traurig, weil sie sich nicht verabschieden konnte. Tränen kullerten ihr über die Wangen, doch sie wischte sie schnell fort und schallt sich: „Du dumme alte senile Frau, denkst ein junger Mann würde dich mögen um bei dir zu bleiben. Sei doch vernünftig.“ Sie stieg aus dem Bett, wusch sich und zog sich an.

„Gute frau, können Sie mir helfen ?“

Ein Lächeln kam über ihre Lippen, der junge Mann war doch nicht fort. So schnell sie konnte, lief sie nach draußen, um zu sehen, wobei sie dem jungen Mann helfen könnte. Doch als sie vor die Tür trat, war niemand zu sehen. Sie war sich sicher, dass ihr Kopf, ihr dieses Mal wirklich einen Streich gespielt hatte und so ging sie traurig in ihr Haus zurück.

„Gute Frau, so helfen Sie mir doch bitte.“, flehte wieder die Stimme des jungen Mannes. Nun wusste die alte frau, dass sie sich nicht verhört hatte. Aber wo war er nur ?

Hektisch sah sie sich um und sprach: „Junger Mann, ich möchte Ihnen helfen, aber ich weiß nicht wo Sie sind.“ Eine Weile blieb er ruhig, doch dann sprach der junge Mann:“Gute frau, bitte erschrecken Sie nicht, aber ich bin hier auf dem Tisch.“

Die alte Frau ging durch das Zimmer auf den Tisch zu. Langsam wurde das verschwommene Bild immer klarer. Und als sie nun vor dem Tisch stand, zuckte sie vor Schreck zurück. Vorsichtig beugte sie sich ein Stück runter und fragte: „Sind Sie das, junger Mann ? Was ist mit Ihnen geschehen ?“

Der junge man fing an zu reden und erzählte der alten Frau, dass er ihr am gestrigen Tag nicht alles erzählt habe. Als er es ihr erzählen wollte, unterbrach sie ihn: „Aber…aber, Sie sind ein…ein Kürbis.“ Ihre Hand legte sich vor staunen über ihren Mund.

Der junge Mann erzählte ihr, dass die neue Frau von seinem Vater eine böse Hexe sei und sie ihm verflucht habe.

„Wenn der Mond gesunken ist und die Sonne ihre ersten Strahlen schickt, sollst du bis ans Ende deiner Tage ein fauliger alter Kürbis sein.“ Das waren die letzten Worte, die er von der Hexe hörte, bevor er davon lief.

Plötzlich fing die alte Frau an zu lachen, so sehr, dass ihr davon Tränen kamen. Der junge Mann verstand nicht, und fragte die alte Frau, warum sie denn so lache.

Voller Freude sprach sie: „Mein Haus ist zu klein um zwei Menschen Platz zu geben, aber groß genug für eine alte Frau und einen Kürbis.“

Der junge Mann wusste, dass er nie wieder ein Mensch sein werde, aber jetzt hatte er einen Platz gefunden, wo er bleiben konnte. Nun waren beide nicht mehr einsam und sie lebten glücklich zusammen, bis an ihr Lebensende.

 


 

ENDE

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Ich hoffe euch hat meine kleine Geschichte „Erzähle ein Märchen über einen Kürbis., gefallen.

Der #WritingFriday ist eine Aktion von Elizzy, readbooksandfallinlove.

Schaut doch mal bei ihr vorbei, gerne könnt ihr auch mitmachen. ?

Weitere interessante Geschichten könnt ihr auch hier lesen:

schreib mal wieder...

 

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2 Kommentare zu „[Writing Friday] #12. Die Alte und der junge Mann

  1. Hallo,
    wirklich eine unerwartete Wendung mit der Verwandlung in den Kürbis! Und auch vorher schön die gängigen Märchenmotive variiert, wo ja sonst eher eine junge Frau oder ein junger Mann einer alten Frau hilft und dafür irgendeine Belohnung erhält; dies hast du schön neu verarbeitet.

    Und schau gerne einmal auf meine neuen Beiträge, etwa hier:
    https://norbertschimmelpfennig.wordpress.com/2018/10/06/die-eiche-im-martinswald-writingfriday-kw-40/

    LG Norbert

    Gefällt mir

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